Die Drucksteine der Rayon II und I hellblau

Rund 120 Jahre nach Herausgabe der Rayonmarken war es immer noch nicht möglich, die verschiedenen Drucksteine, also die verschiedenen Auflagen dieserMarken voneinander gültig und richtig zu unterscheiden. Man versuchte es, indem man nach Farben trennte, aber das erwies sich als wenig präzis. Während des 2. Weltkrieges befasste sich Dr. Herbert Munk, sicherlich einer der begabtesten Philatelisten überhaupt mit der Erforschung dieser Ausgaben die alle beim Lithografen Durheim in Bern hergestellt worden waren.

Nach seinem Tode im Jahre 1953 wurden seine Studien von verschiedenen grossen Schweizer Philatelisten zu Ende geführt. Massgeblich daran beteiligt waren – um wenigstens nur einmal die späteren Buchverfasser zu benennen – Ernst Müller, Mario Colombi, Jean Kottelat, Dr. Viktor Streiff und Werner Städeli. Ohne deren zielstrebige und unermüdliche Arbeit wäre es uns heute wohl immer noch nicht möglich, diese Zumsteinnummern 16II und 17II drucksteinmässig mit Sicherheit einzuordnen und bevor man sich heute hinter deren Bestimmungsbücher macht, gebührt es sich, diesen vorerst einmal Dank und Anerkennung zu zollen.

Mutet es heute nicht eigenartig an, dass man diese Rayons erst seit ca. den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, die späteren Strubel aber schon Jahrzehnte früher nach Ausgaben klassieren konnte (auch wenn letztere heute überarbeitungsbedürftig erscheinenl)? Wie kann man nun seine Rayons II und I hellblau selber bestimmen? Es ist dazu absolut erforderlich, dass man sich zu diesem Zwecke erst einmal die beiden diesbezüglichen Bestimmungsbücher zulegt, ohne die heute eine moderne Rayon-Sammlung selber wohl kaum zusammengestellt werden kann. Man wäre sonst ständig auf die Hilfe von Experten angewiesen. Nun ist es nicht so einfach, diese Bestimmungsbücher normalerweise zu erhalten. Ich habe mich bemüht, auf diesen Artikel hin wenigstens eine Anzahl davon (wieder) am Lager zu haben und wie folgt anbieten zu können:

1. Bestimmungsbuch Rayon II: Dieses Werk, das seinerzeit von Ernst Müller privat herausgegeben worden ist, war bald einmal vergriffen. Antiquarisch soll es in der Folge denn auch Preise bis zu 600.-- gebracht haben.

Erst mit den Jahren und nachdem die Nachfrage stetig zugenommen hatte, wurde der Entschluss für eine neue Auflage gefasst, die jetzt von mir zum offiziellen Verkaufspreis von Fr. 250.-- (+Porto +MWST) erworben werden kann. Darin enthalten sind zahlreiche Farbtafeln mit typischen Farben der verschiedenen Steine.

2. Bestimmungsbuch Rayon I hellblau: Dieses Gemeinschaftswerk Colombi/Städeli/Streiff wurde ca. 1970 mit Unterstützung des Fonds zur Förderung der Philatelie zum Preise von Fr. 80.-- herausgebracht. Ich bezog damals einen grösseren Posten und bin gerne bereit, die noch vorhandenen Bücher zu diesem damaligen Preis abzugeben (+Porto +MWST) . Das Buch ist eigentlich genau gleich aufgebaut wie jenes über die 16II und enthält am Schlusse auch eine Anzahl Farbtafeln mit typischen Farben der verschiedenen Drucksteine.

Dies zu den Grundlagen, die für eine Sammlung mit diesen Nummern wie gesagt zwingend nötig sind.

Es kann natürlich nicht der Sinn eines solchen Artikels sein genau anzuführen, wie es nun zu diesen Rayons überhaupt gekommen und wie der Druck usw. erfolgt ist. Das ist insbesondere auch deshalb wohl gar nicht nötig, weil in obigen beiden Büchern dazu die wichtigsten Punkte ausführlich beschrieben sind. Für die bisherigen Nichtsammler möchte ich lediglich ein paar Sachen zu den verschiedenen Drucksteinen sagen.

Sowohl für die 16II (Rayons II), wie auch für die 17II (Rayon I hellblau) zeichnete der Lithograf Durheim das Markenbild 40x auf einen Druckstein. Diesen nennt man "Urstein", weil es eben der erste Stein war. Hätte er nun gleich von diesem Stein aus gedruckt, wäre er bald einmal abgenützt und damit nicht mehr brauchbar gewesen. Er hätte einen neuen Stein zeichnen müssen, was nicht nur einen sehr grossen erneuten Aufwand bedeutet hätte, sondern auch deshalb gar nicht anging, weil bei einer neuen Zeichnung zwangsläufig Unterschiede zur ersten aufgetreten wären. Die Post hätte sicher keine Freude daran gehabt, wenn die erfolgte Markenbestellung nicht einheitlich ausgeführt worden wäre. Aus genau diesem Grund wurden diese Ursteine nicht zum Drucken, sondern lediglich zur Herstellung von Druckstein-Kopien, der eigentlichen Drucksteine also verwendet.

Bei den Rayons II waren es insgesamt 7 verschiedene Drucksteine, bei der Rayon I hellblau deren 9. Durheim ging nun so vor, dass er bei den gelben Rayons den Urstein zunächst zweimal übereinander auf einen Druckstein übertrug. Diesen ersten Druckstein nannte Dr. Munk später dann Stein A1. Im Verlaufe des weiteren Druckes wollte Durheim den Druck offensichtlich rationalisieren, weshalb er bei den späteren Steinen den Urstein nicht nur zwei-, sondern gleich viermal über und nebeneinander übertrug. Diese vier 40er Gruppen wurden von Dr. Munk mit "LO" (= linke obere 40er Gruppe), "RO" (= rechte obere 40er Gruppe) usw. bezeichnet.

An Drucksteinen der Rayons II kennen wir (in Klammern die Anzahl vorhandener 40er Gruppen):
A1(2), A2 (4), A3 (4), B (4), B1(4), D (4) und E (4).

Bei den hellblauen Rayons kennen wir folgende Steine:
A2 (2), A3 (2), M (2) = Missglückter Stein, B1(4), B2 (4), B3 (4), U (4) = Unbekannter Stein, C1 (4) und C2 (4).

Durch die Handzeichnung des Markenbildes auf dem Urstein, unterscheiden sich die 40 Typen darauf alle durch den Verlauf der feinen Schnörkellinien um das Wappenbild herum. Die Bilder dieser 40 Typen bleiben sich bei allen Steinen gleich. Das heisst, eine Type 1 oder 2 oder 17 usw. kommt bei allen Drucksteinen auch wieder vor. Und zwar in jeder einzelnen Gruppe des Steines wieder. Je nachdem ob der Stein 2 oder aber 4 40er Gruppen umfasst kommt eine bestimmte Type deshalb in jedem Druckstein 2, resp. 4x vor. Bei diesen Übertragungen ergaben sich aber feinste Unsauberkeiten, die im Schwarzdruck mitzeichneten und es heute erlauben, diese Felder dann ganz genau diesem oder jenem Stein und Gruppe zuzuordnen.

Die Numerierung der Typen auf dem Urstein erfolgte von links nach rechts und von oben nach unten, sodass sich in der linken oberen Ecke immer die Type 1, in der rechten oberen Ecke die Type 8 und schliesslich in der rechten unteren Ecke eines 40er Bogens die Type 40 befindet.

Ein Wort nun zur Häufigkeit der verschiedenen Drucksteine. Dies ist deshalb für uns alle ja sehr wichtig, weil damit die Wertzumessung zusammenhängt.

In den erwähnten beiden Büchern ist die durchschnittliche Häufigkeit des Vorkommens der verschiedenen Drucksteine aufgelistet. Gerundet ergibt sich dabei ungefähr folgendes Bild:

Rayons II

Druckstein
Anzahl 40er Gruppen
Marken per Stein
Prozentualer Anteil
Al
2
80
4
A2
4
160
8
A3
4
160
5
B
4
160
13
Bl
4
160
6
D
4
160
32
E
4
160
32

Rayons I hellblau

Druckstein
Anzahl 40er Gruppen
Marken per Stein
Prozentualer Anteil
A2
2
80
3
A3
2
80
2
M
2
80
1
B1
4
160
5
B2
4
160
7
B3
4
160
8
U
4
160
4
C1
4
160
35
C2
4
160
35

 

Betrachten wir diese Übersichten nun einmal und versuchen wir, uns darunter auch rein zahlenmässig etwas vorzustellen. Folgende Folgerungen bieten sich auf den ersten Blick schon einmal an:

  1. Bei den 16II gehören rund 2/3, bei den 17II sogar rund 70% aller vorkommenden Stücke den beiden gewöhnlichsten Drucksteinen an.
  2. Daraus folgt, dass bei den gelben Rayons auf die fünf besseren Drucksteine lediglich rund 1/3 des Markenmaterials entfällt. Bei den hellblauen Rayons sind es sogar nur etwa 30% der Marken, die sich auf sieben bessere Steine verteilen!
  3. Dass diese extrem ungleiche Verteilung der Stücke auf die verschiedenen Drucksteine sich auch preislich auswirken muss, ist klar.
  4. Sobald nun die Seltenheiten der verschiedenen Drucksteine von einer Anzahl Sammler erkannt wird, ist davon auszugehen, dass diese vor allen Dingen diese guten und besten Steine in erster Linie zusammensuchen werden, was naturgemäss zur Folge haben wird, dass diese besseren Steine überproportional vom Markte verschwinden werden.
  5. Unabhängig davon, wie sich andere klassische Gebiete entwickeln werden, kann man sagen, dass durch die Möglichkeit einer Plattierung dieser Marken (das Zusammentragen oder Rekonstruieren der Drucksteine) künftig ein grosses Entwicklungspotential hierin liegt, weil auf diese Weise nicht nur ein Stück oder einige wenige Stücke (wie z.B. bei den Kantonalmarken) von einem Sammler aus dem Markte aufgenommen werden, sondern gegebenenfalls eine ganze Menge! Man kann sich kaum vorstellen, was bezüglich des auf dem freien Markt vorhandenen Markenmaterials in diesen Ausgaben oder aber auch rein preislich passieren wird, wenn nur ein paar Sammler sich dazu entschliessen sollten, diese Drucksteine voll zu rekonstruieren und damit mit der Zeit doch eine ganz erhebliche Anzahl Marken aus dem Markte aufzunehmen. Bei den gewöhnlichen Steinen mag man dies allenfalls noch überspielen können, aber bei den guten und besten Drucksteinen müsste es relativ rasch ganz einfach kaum noch Angebote auf dem Markte geben!
     

Wenn man sich vergegenwärtigt, dass man heute aller Wahrscheinlichkeit nach ungefähr gleich viele Doppelgenf (oder sogar noch mehr) kennt, als Missglückte Steine (um nur einmal dieses extremste Beispiel aller Drucksteine zu wählen), so merkt man plötzlich, was es bedeuten müsste, wenn einer von diesem Missglückten Stein nun die Originalbogen rekonstruieren und dadurch also 80 (verschiedene) aus dem Markte aufnehmen wollte! Man kann sich heute jedenfalls nicht vorstellen, dass einer 80 Doppelgenf aufkaufen würde! Dies ist letztlich nicht unbedingt eine Preisfrage, sondern eine solche der Liefermöglichkeit! Versuchen Sie einmal irgendwo sagen wir einmal 10 Stücke des Missglückten Steines zu erwerben! Einmal ganz abgesehen vom Preis! Sie werden allergrösste Mühe dazu haben und diese vielleicht - mit recht viel Glück - bei kaum einer Handvoll Leuten (Sammlern oder Händlern) aufzutreiben vermögen. Aber: Sie können diese dort einmal kaufen und hernach wird es damit fertig, der Vorrat dann erschöpft sein! Wobei immer wieder anzuführen ist, dass (wie erwähnt, im Gegensatz zu andern Marken, z.B. den Kantonals) durch die Plattierungsmöglichkeit bei diesen Rayons überdurchschnittlich viele Stücke dem Markte und damit dem Umlauf entzogen werden.

Bleiben wir noch einen Moment bei dem Beispiel des Missglückten Steines und beim Wert in Franken. Heute ist es hier doch vorderhand noch so, dass man ein solches Stück im Häufigkeits- oder Seltenheitsgrad wie gesagt einer Doppelgenf in guter Erhaltung zu Preisen von sagen wir einmal knapp 3000.-- bis vielleicht 4000.-- SFr. erwerben kann. Allerjüngste Ergebnisse von guten Auktionen (vor 4 Tagen erst erzielt, allerdings für wirklich sehr schöne Marken) für lose Stücke von rund SFr. 6700.--, resp. im andern Fall von ca. 7900.-- SFr. Iassen erahnen, dass es mit diesen Ansätzen recht bald schon vorbei sein könnte! An sich könnte ein einziger Aufkäufer hier den "Markt aus den Angeln heben", weil das Material ja (fast) nirgends nachgeliefert werden kann. Und Stücke mit Mängeln dieses Drucksteines kosten heute noch einen Bruchteil der Luxusstücke, haben aber die genau gleiche Seltenheit!

Wie Sie seit vielen Jahren wissen, sehe ich keinen grossen Sinn darin meinen Kunden zu jenen Sammelgebieten zu raten, die preislich stark überhöht sind. Eine Ernüchterung könnte dort nicht nur möglich, sondern gelegentlich sogar wahrscheinlich sein. Vielmehr ist es immer mein Bestreben gewesen, den Kunden aufzuzeigen, welche Gebiete man mit einiger Sicherheit als noch nicht übersammelt und damit preislich noch nicht überhitzt bezeichnen kann. Deshalb seit Jahren mein Rat, die ungebrauchten klassischen Marken zu berücksichtigen. Und hier jener, sich dieser Rayon-Drucksteine anzunehmen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich dies eines Tages nicht als lohnend erweisen wird.

Dass ich selber keinesfalls aber "Wasser predige und selber Wein trinke", meine ich damit hinreichend bewiesen zu haben, dass ich in den letzten Jahren alles in allem sicher viele tausend Stücke dieser Rayons aufgenommen habe. Natürlich ist einiges davon auch wieder veräussert worden. Aus neulichem Ankauf kann ich aber immerhin den Erwerb der sicherlich derzeit grössten Drucksteinsammlung bekanntgeben.

Allein in diesem Objekt sind an die rund 2000 Rayons enthalten. Die meisten davon plattiert nach Drucksteinen. Eine Anzahl aber auch in Spezialsammlungen nach Papieren und Stempeln. Ausserhalb des Postmuseums dürfte dies heute die am weitesten fortgeschrittene Drucksteinrekonstruktion der gelben und hellblauen Rayons darstellen. Auch wenn für mich ein En bloc Verkauf des Postens relativ problemlos durchaus möglich gewesen wäre, habe ich mich entschlossen, mit diesem Lebenswerk eines sehr fähigen und begeisterten Philatelisten einen andern Verkaufsweg zu suchen. Es widerstrebt mir einfach, das, was hier jemand in vielen Jahrzehnten zusammengetragen hat, einfach in kürze in alle Winde zu zerstäuben. Aus diesem Grunde sehe ich keinen Einzelverkauf der Stücke vor (abgesehen von für die ganze Sammlung unwichtigen Stücken oder aber von Dubletten). Vielmehr sähe ich es am liebsten, wenn zwei bis meinetwegen bis zu sechs Sammler sich zu einer solchen Rayon-Rekonstruktion entschliessen könnten. Als Grundlage würden einige der angelegten Tafeln dienen und der Weiterausbau könnte entweder mit eigenen oder aber Stücken aus meinem übrigen Lager erfolgen. Damit wäre in meinen Augen allen gedient:

  1. Der verstorbene Sammler hätte sicher Freude am (vielfachen) Weiterleben seiner Sammlung.
  2. Der Markt würde nicht überfordert durch dieses Angebot.
  3. Den Rayon-Ausgaben wären neue, durchaus noch erwünschte Impulse mit neuen
  4. Sammlern gegeben und dies würde sich selbstredend
  5. auch preislich für diese neuen Sammler auszahlen. Denn diese Bestände könnte ich zu ausserordentlich fairen Preisen anbieten.

Wenn Sie Interesse an einem oder einigen Drucksteinen aus dieser Sammlung haben sollten, geben Sie Bericht, damit wir uns einmal zusammensetzen und die Sache ansehen und besprechen können. Natürlich werden die ersten Interessenten auch als erste darüber entscheiden können, welche Drucksteine sie erwerben möchten! Naturgemäss können diese nur einmal - und zwar in der hier vorliegenden Form - geliefert werden. Etliche Tafeln sind sehr weit fortgeschritten, einige 40er Bogen sogar vollkommen rekonstruiert. Andere Steine nur zu einem Teil begonnen, wie es für die allerbesten ja auch nicht anders zu erwarten ist.

Besonders erfreut werden Sie über die Qualität dieser Stücke sein! Ich würde hier einmal die Aussage wagen, dass hier die beste Qualität vorhanden ist, die überhaupt je für eine Tafelrekonstruktion berücksichtigt worden ist! Es gibt nach meinem Wissensstand also weder heute bessere Tafeln, noch hat es je bessere gegeben!

Hier kann man sicher einzelne Stücke allenfalls noch auswechseln (wenn man die gleichen Typen wieder findet), aber sicher nicht mehr hunderte.

Eine Anmerkung dazu abschliessend: wenn man sich seit vielen Jahren mehrheitlich mit diesen Rayons befasst hat - und erst dann - kann man sicher feststellen, dass in diesem Gebiet der Rayons auch heute noch dermassen viele interessante Gegebenheiten schlummern, dass man je länger je mehr davon fasziniert sein wird, wenn man sich erst einmal dahinter gemacht hat. Es sind vielfach Sachen, worüber es heute ganz einfach noch keine Niederschriften gibt. Gebiete liegen hier noch unerforscht, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Für mich ist hier noch ein Stück echter Philatelie verborgen. Nicht Stunden, sondern Monate und Jahre der durchaus möglichen, aber nicht zwingend nötigen eigenen und erfüllten Beschäftigung, sei dies noch im aktiven Erwerbsleben oder aber nach erfolgtem Rückzug daraus in stillere häusliche Gefilde! Ich wünsche Ihnen dazu viel Musse - die Freude wird sich mit Sicherheit von alleine einstellen!

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