Kantonalmarken im Quervergleich

Seit rund 25 Jahren führen wir eine Statistik über die meisten Kantonalmarken (sowie einige andere Gebiete). Erst nur mit Stempeldaten, in den folgenden Jahren haben wir diese - in einigen tausend Arbeitsstunden! - auch noch mit den entsprechenden Fotos versehen. Im Laufe der Jahre haben die verschiedensten Mitglieder unserer Familie und Verwandtschaft an dieser Dokumentation gearbeitet. Zuletzt - bis vor einem Jahr - hatten wir das Glück, in der Person eines Architekturstudenten einen geschickten und interessierten Programmierer in diesem Bereich beschäftigen zu dürfen, der die Fotokartei bis auf rund 10 000 Bilder erweitern konnte. Dann kamen (wieder einmal!) Kapazitätsprobleme im Computer, sodass seither ein Stillstand in der Eingabe erfolgt ist. Alle folgenden Daten basieren deshalb nicht auf dem neusten Stand, sondern entsprechen unserer Datei vor rund einem Jahr.

Allerdings spielt dies keine all zu grosse Rolle, weil sämtliche Daten gleichmässig nicht fertig erfasst worden sind. Wäre dies nur bei einigen Zumstein-Nummern der Fall, so würde sich die ganze Kartei nicht für einen Quervergleich eignen, weil bei einer Nummer alle, bei einer andern nur ein Teil der Daten erfasst wären. Das ist bei uns aber nicht der Fall. Es sind einfach noch nicht ganz alle Auktionskataloge der letzten Zeit erfasst und ebenso noch nicht alle eigenen Stücke, die in dieser Zeit erworben und auch aufgearbeitet worden sind. Weil dies aber gleichmässig erfolgt ist, kann man davon ausgehen, dass die ganze Kartei gleichmässig nicht ganz alle Daten enthält, sondern nur jene, die bis Ende 1999 erfasst worden sind bei uns.

Eine solche Statistik ist - lassen Sie mich dies gleich zu Beginn klar und deutlich sagen - niemals komplett! Immer werden gewisse Sachen darin fehlen, die entweder noch nie öffentlich angeboten worden sind oder deren Anbietung man ganz einfach nicht wahr genommen hat. Das wird immer so sein. Gehen Sie also davon aus, dass diese - und auch alle andern - Kartei in diesem Sinne immer unvollständig ist und auch bleiben wird. Lediglich kann man versuchen, möglichst nahe an die effektiven Häufigkeitszahlen heranzukommen.

Ich würde Ihnen heute gerne die von uns festgestellten Vorkommen einiger

Genfer Kantonalmarken

zeigen und zu kommentieren versuchen.

Wir haben dabei nur Briefe und Briefvorderseiten gewählt, keine Briefstücke. Es wurde einige Mühe darauf verwendet, keine Stücke zweimal oder gar mehrfach in der Kartei zu haben. Das war nicht immer einfach, denn viele Stücke erschienen im Laufe der Jahrzehnte ohne weiteres 3-10x auf dem Markt! Ebenso habe ich alle Stücke ausgeschieden, wo ich eine Verfälschung (oder gar Ganzfälschung) aus der Abbildung erkennen konnte. Selbstverständlich ist auch diese persönliche Beurteilung meinerseits subjektiv.

Gefunden haben wir nun folgende Häufigkeitszahlen:

3: Doppelgenf (ohne verkehrt geschnittene und senkrecht zusammenhängende DG) 74 Briefe
4L: Linke Hälfte Doppelgenf 76 Briefe
4R: Rechte Hälfte Doppelgenf 69 Briefe
07I: Genfer Ganzsache, kleines Format 22 Briefe
07II: Genfer Ganzsache, mittleres Format 12 Briefe
07III: Genfer Ganzsache, grosses Format 3 Briefe
07: Ganzsachenausschnitt auf Brief 106

Ein Häufigkeitsvergleich hat sofort immer auch einen Preisvergleich zur Folge. Einen solchen wollen wir in der Folge nun vorzunehmen versuchen.

 

Man muss dabei nicht nur die Häufigkeit eines Stückes ansehen. Die Seltenheit allein ist keinesfalls der einzige Faktor bei der Preisbestimmung. Es kommt auch noch die Bekanntheit und die Beliebtheit eines Stückes dazu. Dass die Qualität meist sogar eine überragende Rolle spielt, muss kaum erwähnt werden. Eine relativ häufige Nummer kann ohne weiteres dennoch teuer sein, weil sie eben beliebt ist. Hier wäre als klassisches Beispiel die Basler Taube zu nennen, von welcher es wohl einige hundert Stücke auf Brief geben wird. Dennoch ist nicht davon auszugehen, dass diese billiger werden, weil es sich dabei mit Sicherheit um die bekannteste und wohl auch beliebteste Kantonalmarke der Schweiz handelt. Es gibt viele Leute (insbesondere im Ausland), die besitzen wohl eine Basler Taube (weil das für sie der Inbegriff einer klassischen Schweizer Marke darstellt), aber sonst überhaupt keine andern Marken unseres Landes!

 

Umgekehrt kann man sagen, dass eine Marke deshalb viel zu billig sein kann heute, weil die meisten Sammler und Händler die Seltenheit (noch) gar nicht erkannt haben. Vielleicht auch, weil dies bislang noch gar nie studiert und publiziert worden ist. In genau diesem Sinne möchte ich selber wirken. Es scheint mir keiner besonders hochstehenden fachlichen Qualifikation zu entsprechen, wenn man als Händler seinen Kunden immer nur jene Marken empfiehlt, die überall hoch und höher gehandelt (oder auch hochgejubelt) werden. Das sieht man selber und das wird von den betreffenden Firmen selbstverständlich auch lang und breit kommuniziert.

 

(Kaum jemand macht ja eine besondere Werbung mit jenen Nummern, die die Firma besonders schlecht verkauft hat - oder?)

 

Sofern man sich aber nicht nur als Verkäufer oder Vermittler, sondern auch als Berater von Sammlern und Investoren versteht, müsste man eigentlich umgekehrt vielmehr auf jene Gebiete hinweisen, die preislich noch zurückgeblieben sind. Und aus genau diesem Grunde habe ich heute aus unserer Dokumentation für einmal diese paar Genfer Marken herausgegriffen. Denn hier findet man doch - bei genauem Hinsehen - vollkommen Unglaubliches!

 

Wir alle wissen, dass eine Doppelgenf auf Brief heute in unseren Schweizer Katalogen um die 85000.-- CHF notiert. Ein Luxusstück wird heute sicher über 70000.-- und kaum viel unter obigem vollen Katalogpreis liegen. Auch wenn grosse qualitative Unterschiede hier gibt, kann man sagen, dass sich der Markt doch beruhigt und einigermassen geleert hat Den Preis für diese Doppelgenf auf Brief halte ich für durchaus richtig.

 

Im Quervergleich nun aber zu den beiden Doppelgenf-Hälften auf Brief geraten wir alle wahrscheinlich aber doch ins Staunen! Hand auf's Herz: hätten Sie angenommen, dass beide Hälften der Doppelgenf jeweils auf Brief praktisch genau gleich selten sind, wie die Briefe mit ganzen Doppelgenf? Mir scheint dies doch eine sehr grosse Uberraschung zu sein! Denn wenn wir die Katalogpreise für die beiden Hälften auf Brief von lediglich 22000.--CHF ansehen, müssen wir doch von einem klaren Missverhältnis, von einer klaren Unterbewertung der Nummern 4L und 4R auf Brief sprechen!

 

Uebrigens habe ich eine Kontrolle auch mit den losen Stücken kurz vorgenommen. Unsere eigenen Verkäufe an losen Doppelgenf und an losen Hälften liegen einigermassen im Gleichgewicht! Es ist also keinesfalls so, dass es von letzteren einfach viel weniger Briefe heute noch gäbe!

 

Immer wieder hört man, dass die rechten Hälften der Doppelgenf seltener wären, als die linken. Vor allem Händler haben dies vielfach vertreten und auch übermittelt. Diese Behauptung stimmt wahrscheinlich nicht! Zwar haben wir in der Tat rund 10% weniger Briefe mit 4R registriert, als solche mit 4L. Aber dieser Unterschied liegt für mich voll in den zu erwartenden statistischen Schwankungen. Das mag - und wird - Zufall sein. Es wäre auch kaum irgendwie begründbar, wenn es anders wäre, weil diese Marken ja nur zusammen, in einem einzigen Bogen gedruckt worden sind. Dennoch mag es vorkommen, dass man halt während einiger Monate einmal weniger 4R am Lager hat, als 4L (und nachher vielleicht umgekehrt!). Auch bei meinen Fotos der verkauften losen Stücke scheint mir ein Gleichgewicht zu bestehen, auch wenn ich diese nicht einzeln ausgezählt, sondern nur die beiden Fotobeigen abgeschätzt habe.

 

Eine noch viel ausgeprägtere Unterbewertung müssen wir aber klar bei den Genfer Ganzsachen festestellen. Auch wenn man hier sofort einwenden mag, dass halt nicht jeder diese Ganzsachen sammelt. Das ist zweifelsohne richtig. Nur gehören sie halt dennoch in eine komplette Alt-Schweiz-Sammlung. Nicht zuletzt deshalb, weil die Ganzsachen selber bekanntlich ja nicht den Zuspruch der Genfer Bürger gefunden hatten und sich einfach nicht - oder kaum - verkaufen liessen. Um nicht auf den Herstellungskosten sitzen zu bleiben griff die Genfer Post zu einem Radikalmittel: sie liess die Wertzeichen in den Umschlägen kurzerhand ausschneiden und als ganz normale Briefmarken am Schalter verwenden! Und weil diese Ausschnitte als ganz normale Genfer Kantonalmarke verwendet worden sind, kann man sie unmöglich einfach aus einer kompletten Sammlung weglassen. Wenn man aber den Ausschnitt schon sammelt gehören die ganzen Briefe (in allen drei Formaten!) ja eigentlich auch dazu - oder? Dies wurde bisher viel zu wenig beachtet und deshalb müssen wir hier ganz ohne Zweifel einen erheblichen Aufwertungsbedarf in unseren Katalogen orten. Wenn schon der Ganzsachenausschnitt auf Brief (also die Zumsteinnummer 07) mit 30 000.--Katalogpreis gegenüber 85 000.-- beim Doppelgenfbrief als einiges zu tief erscheint, so wird dieses Missverhältnis bei den gestempelten Ganzsachen (also den Zumsteinnummern 07I, 07II und 07III) vollkommen diskussionslos! Uebrigens gilt ähnliches durchaus auch für die ungestempelten Ganzsachen!

 

Letztes Jahr haben wir von einer Unterbewertung der Poste Locales ohne Kreuzeinfassung auf Brief gesprochen, von welcher Nummer bislang lediglich etwa 26 Stücke bei uns registriert sind. Es möglich, um nicht zu sagen wahrscheinlich, dass diese Publikation einen Einfluss auf ein Ergebnis einer guten Auktion in diesem Jahre hatte, wo ein Brief mit einem Paar (mit Bug) mehr als 90000.-- bebracht hatte. Geht man von einem Preis von ca. 40% für ein Stück mit Bug gegenüber einem fehlerfreien aus, so kommt man für ein Paar in fehlerfreien Erhaltung auf Brief von rund 225000.--. Wobei der Katalogpreis oft ja etwas höher noch liegt, als der Nettopreis. Mit unserer Neu-Ansetzung dieser Nummer im Katalog des Händlerverbandes mit 200 000.-- stehen wir also keineswegs "neben den Schuhen"- im Gegenteil!

 

Mir scheint, dass wir die Briefpreises der oben ziteirten Genfer Marken auf Grund dieser Studie nun ernsthaft neu überdenken müssen. Bei einigen dieser Nummern scheinen sich mir Preisanhebungen aufzudrängen. Man wird sicher nicht davon ausgehen können, dass die halben Doppelgenf auf Brief bald einmal die gleichen Preise in den Katalogen haben werden, wie die ganzen Doppelgenf. Auch werden die Genfer Ganzsachen auch künftighin nicht die Beliebtheit der Doppelgenf erreichen. Das ändert aber nichts an der Notwendigkeit einer Preisüberprüfung. Uebrigens: wir selber haben in diesen Positionen wohl gelegentlich noch das eine oder andere Stück, aber alles in allem nur wenig bis rein gar nichts mehr auf Lager ausserhalb des Kataloges!

 

Sie selber sind aufgerufen, Ihre Meinung dazu uns zu übermitteln. Am klarsten tun Sie dies natürlich in Form entweder eines Angebotes solcher Nummern an uns (wir sind durchaus interessiert an diesbezüglichen Ankäufen und haben keineswegs vor der Publikation erst einmal noch für ein stattliches eigenes Lager gesorgt!) oder dann in Form einer Bestellung, falls Sie von den derzeit sicherlich noch sehr moderaten Preisen profitieren möchten. Falls wir nicht mehr ab Lager liefern können, setzen wir Ihre Wünsche gerne auf eine Fehlliste und legen Ihnen nach Eingang der nächsten Sammlung etwas vor.

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