Zu unserem Los 198:

Brief mit zwei Winterthur von Schaffhausen nach Steckborn

Beim genaueren Studium der "Winterthur"-Marken (gültig damals keineswegs nur etwa in Winterthur selber, sondern im ganzen Postkreis VIII, zu welchem bei der Ausgabe, 1850, die Kantone Zürich, Thurgau, Schaffhausen und Zug gehörten) fällt auf, dass weitaus die meisten Briefe aus Zürich selber stammen. Briefe aus allen andern Orten sind selten.

Betrachten wir nun jene von Schaffhausen, so ist zu sagen, dass wir insgesamt nur drei Briefe von Schaffhausen mit Winterthur-Marken in unserer Dokumentation aufgeführt haben.Einmal eine Einzelfrankatur von Schaffhausen nach Schleitheim. Weiter eine Mischfrankatur mit Rayon I dunkelblau von Schaffhausen nach Hallau. Und drittens das heutige Los 198. Es ist der einzige Brief mit zwei dieser Marken!

Seltenheitsmässig ist dieser Brief überhaupt nicht mit den üblichen von

Zürich zu vergleichen. Man müsste hier eigentlich ganz unterschiedliche Preise für Briefe aus der Stadt Zürich und für die wenigen andern machen, die - wenn man das seltene Vorkommen berücksichtigen möchte - ein Mehrfaches der Zürcher Briefe kosten müssten. Natürlich würde dies für einen Katalog etwas weit führen. Dies aber zu wissen und von diesem Erfahrungsschatz zu profitieren ist das Vorrecht der interessierten Alt-Schweiz-Sammler.

Wenn wir diesen herrlichen Brief aus dem seinerzeitigen Archiv der Firma

Labhardt in Steckborn schon vor uns haben, wollen wir doch auch noch auf die Entwertung selber eingehen. Der Stempel "Nachmittag" ist für Schaffhausen und für die damalige Zeit üblich. Es wäre umgekehrt viel seltener, Briefe aus dieser Periode ohne diesen Nebenstempel zu haben. Hingegen ist die Entwertung, die Raute von Schaffhausen, bemerkenswert. Es ist hier nachgewiesen, dass diese nur ganz am Anfang, im Oktober 1850, für kurze Zeit alle Rautenteile aufwies. Bald einmal, wahrscheinlich schon ab Mitte November 50, fehlten zwei, schliesslich gar drei Rautenteile. Auf einer Seite war zudem einer stark beschädigt (fehlt zu 2/3). Nur durch diese fehlenden Rautenteile ist diese seltene Schaffhauser Raute überhaupt von der gleichen, aber viel häufigeren Aargauer Raute zu unterscheiden! Auf der Winterthur-Marke ist die Herkunft allerdings klar gegeben, denn diese war nie im Kanton Aargau am Schalter. Alle losen Stücke mit dieser Raute stammen von Schaffhausen! In unserem Brief vom 18. Februar 1851 ist die Raute bereits "verstümmelt". Eine Alt-Schweiz-Rarität, wie sie heutzutage im Kantonalbereich nur noch selten zu finden ist. Für eine ganz grosse Sammlung, vor allem auch wegen der hervorragenden Erhaltung!

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