Die Retouche 4 bei der Zürich 6 (senkrechter und waagrechter Unterdruck) ist allgemein bekannt unter dem Namen "grosse Retouche". Unter "ZU" von "Zürich" in der Inschrift hat sich eine Abnützung oder ein Ausbruch des Netzwerkes ergeben, der vom Lithografen hernach kunstvoll retouchiert worden war. Und dies wohl etliche Male nacheinander, weil die besagte Stelle immer wieder "fadenscheinig" wurde und erneut überarbeitet werden musste.
Es ist nun interessant zu sehen, dass man ganz verschiedene Stadien dieser Retouchen finden kann. Diese Flickstellen treten mehr oder weniger markant hervor, je nachdem die Ueberarbeitung eben erst vorgenommen worden war oder ob sie schon wieder Abnützungserscheinungen zeigte. Sie finden als schönes Beispiel dieser Retouche 4 unser Los 28 im diesjährigen Katalog. Weitere Stücke davon sind verfügbar. Findet man also in dieser 98.Marke der Zürich 6 ganz verschiedene Retouchierungen, so muss man sich doch fragen, wann dieser Plattendefekt in diesem Bogenfeld denn überhaupt entstanden ist. Es ist klar, dass in den fünf Grundtypen, die zur Herstellung des 100er Bogens 20x kopiert worden waren, kein solcher Defekt vorhanden war. Also muss er irgendwann später einmal erfolgt sein.
Es ist nun aber sehr interessant zu sehen, dass es einem kaum gelingt, ein solches Bogenfeld ohne diesen Defekt aufzutreiben! Seit etlichen Jahrzehnten habe ich mich um diese Retouche 4 bemüht und weiss Gott auch viele dieser Stücke auch besessen. Aber kaum je war es mir möglich, ein Stück zu bekommen, das drucktechnisch ganz am Anfang steht, also noch keine Retouche aufweist. Genau einen solchen Fall finden Sie nun aber in unserem Los 27. Eine Retouchierung ist dort tatsächlich noch nicht zu sehen, lediglich ein Plattendefekt, den man also unter Plattenfehlern und nicht unter Retouchen einreihen müsste. Dieser Ausbruch links oben im Los 27 ist vollkommen original, also nicht durch eine nachträgliche Schürfung entstanden. Das sieht man auch an den roten Unterdrucklinien, die in diesem Ausbruch drin sichtbar sind. Wir haben es hier demzufolge mit einem sehr frühen oder Urzustand dieser 98.Marke zu tun, bevor die erste Retouchierung vorgenommen worden ist. Wertmässig ist dieses Stück weit über der Retouche 4 einzustufen. Von letzterer gibt es viele Stücke (mit verschiedenen Zuständen der Retouche), von diesem Urzustand werden Sie aber Mühe haben, auch nur ein zweites Stück aufzutreiben! Eine seltene Gelegenheit für einen interessierten Kantonalsammler! Schön wäre es, wenn man eines Tages dieses 98.Bogenfeld ohne Retouche und auch ohne Defekt, also mit gänzlich unversehrtem Netzwerk links oben finden könnte! Machen Sie sich auf die Suche!
© 2009 Honegger Philatelie AG, 8716 Schmerikon